Das digitale Sachbuch muss schlank und inhaltsstark sein

Das elektronische Sachbuch muss anders sein als das gedruckte Buch. Das digitale Sachbuch muss schlank und inhaltsstark sein. Eine als 1:1 portierte Version eines gedruckten Buches wird künftig nicht erfolgreich sein.

eBook: engl. elektronic book, elektronisch lesbares Buch, Digitalbuch, eBuch
pBook: engl. print book, gedrucktes Buch

Der Umgang mit digitalen Medien bringt ein neues Leseverhalten hervor. Wir erfahren auch hier eine Beschleunigung. Die Lese-Erwartung des digital Lesenden ähnelt dem Sofortbild-Prinzip: eine Information erfassen, aufnehmen, verstehen und anwenden. Und das in möglichst kürzester Zeit.

Das Lesen am Monitor befreit uns zwar davon, ein Buch mit den Händen halten zu müssen. Ein leichteres Lesen im Sinne einer besseren Aufnahme von Information bietet uns das digitale Lesen dennoch (noch) nicht.

Das monitorische Lesen ist von dem Wunsch getrieben, Information schnell und ohne Umwege zu erhalten. Das bedingt zweierlei: zum einen eine Gestaltung, welche dem neuen Leseverhalten angepasst ist, zum anderen eine Auseinandersetzung mit dem dargebotenen Inhalt.

Leseverhalten und Gestaltung

Durch die digitalen Publikationen werden wir immer mehr zu Schnell-Lesern. Wir lesen nicht wort- oder zeilenweise. Wir versuchen, in einem Stakkato ähnlichen, sprunghaften Lesestil aus dem Text die für uns wesentliche Information herauszufiltern, zu scannen.

Wie schnell wir lesen können oder ob unser Lesefluss gebremst wird, beeinflusst die Zeilenlänge eines Textes. Die Spaltenbreite einer typischen Tageszeitung von ± 80 mm, d.h. je nach Schrifttyp ± 50 Anschläge, scheint ideal. Das erlaubt ein zügiges und entspanntes Lesen.

Wichtig ist eine Gliederung, die der Informationsaufnahme entgegenkommt. Der Lesestoff sollte optisch und inhaltlich sinnvoll durch Absätze und Überschriften aufgeteilt sein. Das Auge kann dann kurz verweilen, sich entspannen, während das Gehirn das Gelesene im Kontext des vorhandenen Wissens verarbeitet. Buchseiten, deren einzige Gliederung in Kommas und Satzpunkten bestehen, sind für digitale Bücher ungeeignet.

Und last, but not least: Digitale Sachbücher müssen effizient nutzbare Inhalts-, Stichwort- und Literatur-Verzeichnisse aufweisen. Direkte, interaktive Links verzweigen auf ergänzende oder weiterführende digitale Publikationen und Internet-Angebote.

Inhalt und Aufnahme

Digitale Publikationen haben nicht mehr die »Seele« eines pBook. Der Besitz- oder Stellenwert tendiert daher gegen Null. Vor allem im digitalen Sachbuch sieht der Leser schlicht eine Informationsquelle und weniger ein Medium zur Unterhaltung. Das hat folgende Konsequenz: Ein auf ein Sachthema ausgerichtetes eBook muss nicht mindestens 200 Seiten umfassen, nur weil es die »alte« Kostenkalkulation so verlangt.

Wenn ein Thema bis zur Seite 128 umfassend dargelegt und vermittelt wurde, dann sollte auch bei Seite 128 Schluss sein. Künftig wird nicht die bloße Inhaltsmenge über Kauf oder Nichtkauf eines digitalen Buches entscheiden. Entscheidend sein werden die inhaltliche Qualität, das punktgenaue Vermitteln von Kenntnissen und die Art und Weise, wie Wissen aufbereitet, gestaltet und dem Leser dargeboten wird.

Keine Frage: Auch der Schreibstil muss sich den verändernden Lesegewohnheiten anpassen. Bandwurm- und Schachtelsätze sind für das eBook verboten. Sätze müssen kurz und prägnant formuliert sein. Weitschweifige Gedankenergüsse, die den Kern einer Sache nicht treffen, sind zu vermeiden — der digital Lesende wird sie nicht honorieren. Er wird geistig abschalten, noch ein paar Seiten weiterblättern, um vielleicht doch noch etwas Nützliches zu entdecken. Falls nicht, wird das eBook im digitalen Nirwana verschwinden.

Die Devise für das digitale Sachbuch lautet demnach: »Inhaltsstark sein«. Das bedeutet auch: Das konkrete und präzise Ausrichten auf Sachthemen schafft mehr Möglichkeiten für Veröffentlichungen. Gleichzeitig bietet es mehr Chancen für punktgenau denkende und schreibende Autoren.
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